Sozialmedizin
Die Abteilung Sozialmedizin vereint die Fachbereiche Fürsorgerische Unterbringungen, Arbeitsmedizin und Wohnungswesen. Zudem stellt sie die medizinische Grundversorgung in den Basler Gefängnissen sicher.
Neues Therapiekonzept für die Spezialstation im Untersuchungs-gefängnis Waaghof
Das Team der Gefängnismedizin hat in den vergangenen Jahren wertvolle Erfahrungen gesammelt. Diese wurden 2025 in einem neuen Therapie-konzept zusammengeführt, das ab Januar 2026 umgesetzt wird.
Eine plötzliche Inhaftierung und der Alltag im Gefängnis können für Betroffene sehr belastend sein und zu einer akuten psychischen Krise führen. Internationale Studien zeigen, dass deutlich mehr Menschen im Gefängnis psychisch krank sind als in der Durchschnittsbevölkerung. Im normalen Gefängnisalltag fehlen jedoch oft Zeit und Fachpersonal, um angemessen auf psychische Erkrankungen und Krisen zu reagieren.
Deshalb haben sich das Gesundheitsdepartement (GD) und das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) des Kantons Basel-Stadt bereits im Jahr 2017 mit der Gefängnismedizin, der forensischen Psychiatrie und dem Vollzug zusammengeschlossen, um nach Lösungen zu suchen. Daraus entstand die Spezialstation (SPS) im Untersuchungsgefängnis Waaghof, die 2019 eröffnet wurde. Sie bietet inhaftierten Personen mit psychischen Auffälligkeiten oder akuten Krisen, die im regulären Haftbetrieb nicht ausreichend betreut werden können, eine gezielte und intensivere Betreuung.
Das Team Spezialstation
Im neuen Therapiekonzept werden die Insassen von verschiedenen Fachpersonen gemeinsam betreut. Jede Person hat ihre eigenen Aufgaben, arbeitet aber eng mit den anderen zusammen. Das Therapiekonzept stützt sich auf drei zentrale Bereiche: Milieutherapie und Betreuung, Abklärung und Behandlung sowie das Übergangsmanagement.
Neu sorgen zwei Ergotherapeutinnen unter der Woche für ein kontinuierliches Therapieangebot. Dabei steht die Zusammenarbeit im Team im Mittelpunkt. Zum «Team SPS» gehören neben der Ergotherapie auch eine Pflegefachperson, eine Ärztin, zwei Aufsichtspersonen sowie ein forensischer Psychiater der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK), der einmal wöchentlich zur Visite kommt.

Therapiekonzept auf drei Pfeilern
Die Grundlage für das Therapiekonzept bilden die drei Pfeiler Milieutherapie und Betreuung, Abklärung und Behandlung sowie das Übergangsmanagement.
- Milieutherapie und Betreuung: Für eine nachhaltige therapeutische Wirkung ist das Milieu entscheidend. Damit ist nicht nur die Umgebung gemeint. Das Milieu soll durch das tägliche Handeln des gesamten Teams geprägt werden. Inhaftierte Personen sollen am Leben auf der Station teilhaben, mitbestimmen und dadurch auch Verantwortung übernehmen können.
- Abklärung und Behandlung: Zentrale Punkte sind ein standardisiertes Eintrittsgespräch und eine Behandlungsplanung. In dieser werden neben medizinischen Informationen Ziele und Therapieverlauf festgehalten.
- Übergangsmanagement: Beim dritten Pfeiler liegt das Augenmerk auf dem Austritt, dem Übertritt in eine andere Institution oder der Überweisung zum Beispiel in eine forensische Klinik. In Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst wird alles Nötige vorbereitet, damit die Person für diesen Schritt gut vorbereitet ist.
Ergotherapie auf der Spezialstation: Struktur und Unterstützung für den Alltag

Bild: Team Gefängnismedizin

Bild: Team Gefängnismedizin
Der Schwerpunkt des neuen Therapiekonzeptes liegt beim standardisierten Therapieangebot. So sind die beiden seit September 2025 neu eingestellten Ergotherapeutinnen für die Therapieplanung und -umsetzung zuständig. Die Ergotherapie spielt eine wichtige Rolle in der Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Sie hilft, mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität zu gewinnen. Dabei geht es einerseits um das Wiedererlernen praktischer Fähigkeiten. Andererseits gibt sie den Menschen Struktur und Orientierung im Alltag. Der Wochenplan der Spezialstation beinhaltet unter anderem Projektarbeit, kreatives Gestalten, Kognition, Pädagogik und Aktivierung.
Projektarbeit und kreatives Gestalten
So wurden zum Beispiel in einer Projektarbeit Weihnachtskarten für die Sozialmedizin gestaltet oder Schlüsselanhänger für die Dienstautos der Medizinischen Dienste geknüpft. Solche Aufgaben fördern nicht nur die Kreativität, sondern auch das Gefühl, gebraucht zu werden und einen Beitrag zu leisten. Gerade für Menschen in Haft mit stark eingeschränkter Alltagsgestaltung bietet die Ergotherapie eine wichtige Orientierungshilfe und trägt dazu bei, dem Tag einen klaren Rahmen zu geben.
Activities of Daily Life (ADL)
Auch im Bereich der täglichen Lebensführung (ADL) wie Körper- und Zellenpflege oder das Waschen der Kleidung, kommt die Ergotherapie ins Spiel. Manche Menschen brauchen viel Unterstützung und Geduld, um diese Aufgaben bewältigen zu können. Ein strukturierter Wochen-Duschplan oder eine individuelle Schritt-für-Schritt-Anleitung kann dabei helfen, Routinen zu etablieren und die Eigenständigkeit zurückzugewinnen.
Wir freuen uns, dass wir seit Januar 2026 mit dem neuen Konzept arbeiten können.
Ergotherapie: wichtige Orientierungshilfe
Gerade für Menschen in Haft mit stark eingeschränkter Alltagsgestaltung bietet die Ergotherapie eine wichtige Orientierungshilfe. Sie trägt dazu bei, dem Tag einen klaren Rahmen zu geben. Durch die regelmässigen Therapieangebote entsteht ein verlässlicher Ablauf, der den inhaftieren Personen Halt gibt und ihnen ermöglicht, sich besser zu strukturieren. Dabei orientieren wir uns an den individuellen Möglichkeiten und der aktuellen psychischen Verfassung der Inhaftierten, um Überforderung zu vermeiden und kleine Erfolge sichtbar zu machen.
Die Abteilung Sozialmedizin in Zahlen
Die Abteilung Sozialmedizin engagiert sich für besonders vulnerable Personen sowie für die Mitarbeitenden des Arbeitgeber Basel-Stadt. Für das Jahr 2025 können folgende Leistungen ausgewiesen werden:
Anzahl ärztliche Konsultationen in Gefängnissen
Die Abteilung Sozialmedizin verantwortet die medizinische Versorgung der in Basel-Stadt inhaftierten Personen. Für spezialisierte Leistungen arbeitet sie mit externen Anbietern zusammen. Die Grafik zeigt die ärztlichen Leistungen der Gefängnisärztinnen und Gefängnisärzte.
Anzahl fürsorgerische Unterbringungen
Fürsorgerische Unterbringung werden von Amtsärztinnen und Amtsärzten verfügt. Dafür gibt es klar definierte Kriterien wie zum Beispiel Selbst- bzw. Fremdgefährdung oder schwere Verwahrlosung.
Anzahl arbeitsmedizinische Untersuchungen und Beratungen für den Arbeitgeber Basel-Stadt (inkl. Impfberatungen)
Das arbeitsmedizinische Angebot steht den Mitarbeitenden des Arbeitgebers Basel-Stadt und staatsnahen Betrieben zur Verfügung (z.B. IWB, BVB).
Anzahl verabreichte Impfdosen (für den Arbeitgeber Basel-Stadt)
Im Rahmen des arbeitsmedizinischen Angebots können Impfungen verabreicht werden. Der Arbeitgeber Basel-Stadt führt jedes Jahr eine Grippeimpfaktion für Mitarbeitende durch.
Verabreichte Impfdosen (Total)
Davon verabreichte Grippeimpfdosen